Sie sehen aus wie gewöhnliche Dachziegel, produzieren aber Strom: PV-Dachziegel versprechen Solartechnik, die sich unauffällig in das Haus einfügt. Besonders bei einem Neubau oder einer anstehenden Dachsanierung kann das interessant sein. Doch vor der Entscheidung sollten Hausbesitzer Kosten, Ertrag und Reparaturmöglichkeiten genau prüfen.
PV-Dachziegel, auch Solarziegel oder Solardachpfannen genannt, enthalten Solarzellen und werden anstelle normaler Dachziegel verlegt. Sie erzeugen Strom und übernehmen zugleich die Funktion der herkömmlichen Dacheindeckung. Besonders interessant kann das bei Neubauten oder einer ohnehin geplanten Dachsanierung sein. In diesen Fällen müssen die Kosten der Solarziegel nicht allein mit einer Aufdachanlage verglichen werden. Ein Teil der Ausgaben für die gewöhnliche Dacheindeckung entfällt.
Ist das vorhandene Dach dagegen noch intakt, bleibt eine klassische Aufdachanlage in den meisten Fällen günstiger. Standardmodule lassen sich schneller montieren und erreichen auf derselben Dachfläche häufig eine höhere Leistung. Ihre Hinterlüftung ist in der Regel besser, was sich positiv auf den Stromertrag auswirken kann.
„PV-Dachziegel können eine gute Lösung sein, wenn das Dach sowieso neu gedeckt werden muss. Wer ein intaktes Dach hat und vor allem möglichst viel Solarstrom erzeugen möchte, fährt mit klassischen Modulen häufig günstiger“, sagt Ramona Ballod, Energiereferentin der Verbraucherzentrale Thüringen.
PV-Dachziegel fügen sich gleichmäßiger in das Dach ein als aufgesetzte Solarmodule. Das kann bei Gebäuden mit hohen gestalterischen Anforderungen oder im Denkmalschutz ein Vorteil sein. Eine unauffällige Gestaltung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Anlage genehmigt wird. Bei einem denkmalgeschützten Gebäude sollten Eigentümer die zuständige Denkmalschutzbehörde frühzeitig einbeziehen, bevor sie Angebote beauftragen oder Verträge unterschreiben.
Auch beim Ertrag lohnt ein genauer Blick. Die Leistung unterscheidet sich je nach Produkt, Farbe, Verschaltung und Größe der aktiven Solarfläche erheblich. Dunkle, gut hinterlüftete Systeme können andere Werte erreichen als farblich angepasste Dachziegel. Pauschale Ertragsversprechen sind deshalb wenig aussagekräftig.
Entscheidend ist der Gesamtpreis der fertigen und angeschlossenen Anlage. Ein vollständiges Angebot sollte unter anderem Gerüst, Dacheindeckung, elektrische Installation, Wechselrichter, Netzanschluss und mögliche Arbeiten am Zählerschrank berücksichtigen. Sinnvoll ist eine getrennte Darstellung der Kosten für das Dach und für die Stromerzeugung.
„Der Preis pro Ziegel hilft bei der Entscheidung kaum weiter. Entscheidend ist, was das komplette Dach am Ende kostet und wie viel Strom die Anlage voraussichtlich liefert“, sagt Ballod. Für einen belastbaren Vergleich sollten Angebote mindestens folgende Angaben enthalten:
Mehrere Angebote lassen sich am besten anhand der Gesamtleistung, des erwarteten Jahresertrags und der vollständigen Kosten vergleichen.
Je nach System sind PV-Dachziegel einzeln elektrisch verbunden. Dadurch können Reparaturen aufwendiger sein als bei klassischen Modulen.
„Wenn nach einigen Jahren ein Solarziegel ausfällt, muss klar sein, wer den Fehler findet, wer den Ziegel austauscht und ob das passende Modell noch lieferbar ist. Diese Fragen gehören vor der Unterschrift auf den Tisch“, sagt Ballod. Eine vereinbarte Ersatzteilreserve oder passende Blindziegel können zusätzlich vorsorgen.
Sind Dachdeckerbetrieb, Solarteur und Elektrofachbetrieb beteiligt, sollte der Vertrag die Zuständigkeiten für Dichtigkeit, elektrische Funktion und mögliche Schäden eindeutig regeln. Eine zentrale Ansprechperson kann spätere Auseinandersetzungen erleichtern.
Vor jeder Entscheidung müssen Zustand, Statik, Ausrichtung, Neigung und mögliche Verschattung des Daches geprüft werden. Auch Dachfenster, Gauben, Schornsteine und Bäume können die nutzbare Fläche und den Ertrag beeinflussen. Die Anlage sollte außerdem überwacht werden können, damit ein Leistungsabfall frühzeitig auffällt.
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Thüringen bietet eine unabhängige Einschätzung zu Photovoltaik, Dachflächen und vorliegenden Angeboten. Ein persönliches Beratungsgespräch kann unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 809 802 400 vereinbart werden.
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Dank einer Kooperation mit dem Thüringer Umweltministerium und der Landesenergieagentur ThEGA sind in Thüringen auch die Vor-Ort-Termine bei den Ratsuchenden zu Hause kostenfrei.
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