Die Fraktion pro Altenburg hat eine ergänzende Anfrage an die Stadtverwaltung zur Zukunft der Altenburger Kulturbetriebe gestellt. Hintergrund ist die aus Sicht der Fraktion unzureichende und zu allgemein gehaltene Antwort der Verwaltung auf Fragen zur Verknüpfung der geplanten Spieleerlebniswelt Yosephinum mit den bestehenden Museen und dem Schloss Altenburg. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Zweifel an der personellen und infrastrukturellen Leistungsfähigkeit der bestehenden Einrichtungen.
Die Fraktion pro Altenburg bewertet die Antwort der Stadtverwaltung zur Zukunft der Altenburger Kulturbetriebe in wesentlichen Punkten als zu allgemein und ausweichend. „Es werden zahlreiche Visionen, Taskforces und Masterpläne beschrieben, aber konkrete, belastbare Konzepte liegen dem Stadtrat bislang nicht vor“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dirk Schwerd.
Besonders kritisch sieht die Fraktion die Aussagen zur geplanten Spieleerlebniswelt Yosephinum. Laut Verwaltung seien Besucherzahlen von bis zu 110.000 Gästen jährlich „steuerbar“. Aus Sicht von pro Altenburg wirft diese Einschätzung jedoch erhebliche Fragen auf. „Wer solche Besucherzahlen prognostiziert, muss auch ehrlich beantworten, wie Gastronomie, Verkehr, Parkraum und die bestehende Infrastruktur dies bewältigen sollen“, so Schwerd weiter. „Andernfalls droht ein organisatorisches und touristisches Fiasko.“
Die Fraktion verweist darauf, dass die Verwaltung die geringe Auslastung von Führungen und die eingeschränkten Öffnungszeiten im Schlossmuseum in der Vergangenheit mit fehlenden personellen Strukturen begründet habe. Gleichzeitig würden nun erhebliche zusätzliche Besucherpotenziale in Aussicht gestellt, ohne dass bislang ein nachvollziehbares Personal- und Betriebskonzept für die bestehenden Einrichtungen öffentlich vorgelegt wurde.
Ebenso kritisiert pro Altenburg, dass identitätsstiftende kulturelle Angebote weiterhin vernachlässigt würden. Insbesondere die Ausstellung „Design Wandbild“ mit dem Panorama des überregional bekannten Künstlers Anthony W. Lowe sei seit rund drei Jahren nicht mehr öffentlich zugänglich. „Gerade dieses Werk besitzt für Altenburg eine besondere kulturelle Identität und Strahlkraft. Dass eine solche Ausstellung über Jahre verschlossen bleibt, stößt nicht nur beim Künstler selbst, sondern auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf völliges Unverständnis“, erklärt Schwerd.
Die Fraktion fordert daher die vollständige Vorlage aller Konzepte zur Verknüpfung von Yosephinum, Museen und Schloss, einschließlich:
Darüber hinaus fordert die Fraktion pro Altenburg eine frühzeitige, aktive Einbindung des Stadtrates in die Konzeptentwicklung. Hintergrund ist insbesondere das Verfahren rund um das Betriebskonzept des Yosephinums, bei dem der Stadtrat aus Sicht der Fraktion lediglich ein bereits fertiges Konzept zur Kenntnisnahme und Entscheidung vorgelegt worden sei, ohne dass zuvor eine substanzielle Mitwirkung möglich gewesen sei.
„Wir wollen keine fertigen Konzepte mehr präsentiert bekommen, die politisch faktisch nur noch abgenickt werden sollen. Der Stadtrat muss frühzeitig in die Entwicklung eingebunden werden, gerade wenn es um langfristige finanzielle und strukturelle Auswirkungen geht“, so Schwerd.
Zur Erinnerung verweist die Fraktion darauf, dass im Betriebskonzept des Yosephinums zuletzt ein dauerhaftes jährliches Defizit von rund 250.000 Euro ausgewiesen worden sei. „Bevor weitere Großprojekte politisch begleitet werden, erwarten wir Transparenz, belastbare Strukturen und eine echte Beteiligung des Stadtrates. Kulturpolitik darf nicht allein aus Zukunftsvisionen bestehen, während bestehende Einrichtungen personell und organisatorisch an ihre Grenzen geraten“, so Schwerd abschließend.
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