In der Woche vom 13. bis 21. Juni fand bundesweit die "Aktionswoche Alkohol 2026" statt – und auch in Altenburg gab es mehrere Veranstaltungen zum Dialog rund um das Thema Alkoholkonsum.
Den Auftakt machte am Mittwoch ein Netzwerktreffen mit Fachvortrag und Betroffenen-Talk im Landratsamt. Rund um eine Pyramide aus leeren Bier-, Wein- und Spirituosenflaschen, die symbolisch den durchschnittlichen Alkoholkonsum aller in Deutschland lebenden Menschen über 15 anschaulich auf den Punkt brachte, präsentierten die verschiedenen mit dem Thema befassten Einrichtungen im Landkreis an fünfzehn Infoständen ihre Angebote.
Nach der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung durch den Leiter des Altenburger Gesundheitsamtes, Björn Rechenberger, berichtete Psychologin Luisa Neufeld von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie vor mehr als 90 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern im Landschaftssaal am Beispiel der fiktiven Patienten Lena (28) und Klaus (67) über die Ursachen für Alkoholabhängigkeit sowie ihre Therapieansätze und -erfolge. Eine Erkenntnis: Die Weichen für den Weg in die Abhängigkeit werden nicht selten schon in der Kindheit und Jugend gestellt – fehlende Bestätigung und Zuwendung spielen noch viele Jahre später häufig eine entscheidende Rolle.
Nach der Mittagspause gab es dann, ebenfalls im Landschaftssaal, einen Betroffenen-Talk mit Pfarrer und Klinik-Seelsorger Sandro Vogler. Mandy, Monika, Detlef und Ronald sprachen mit ihm über ihre ganz persönlichen Wege in die Abhängigkeit – und wieder hinaus. Ihre ungeschönten Erfahrungsberichte machten klar, dass Rückschläge auf dem Weg weg vom Alkohol meist dazu gehören und dass ein starkes soziales Umfeld – Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Selbsthilfegruppen – die Erfolgsaussichten von Therapien deutlich erhöht.
Am Abend standen dann "Die guten und die besseren Tage" im Altenburger Capitol auf dem Programm – ein absolut empfehlenswerter französischer Feelgood-Film, der die ernsten Themen Alkoholsucht, Selbstfindung und Entzug mit viel Humor und dem mitreißenden Spirit eines modernen Roadmovies verbindet. Völlig zurecht hat es der Film in Frankreich 2025 am Starttag direkt auf Platz 1 der Kinocharts geschafft.
Am Donnerstag Abend lud der Altenburger Hofsalon zu einem Trialog mit anschließendem alkoholfreien Feierabend mit Live-Musik vom Jazz-Orgeltrio aus Leipzig. Auch hier stand noch einmal die "Alkoholkonsum-Pyramide" als Eye-Catcher im Eingangsbereich zum Hof hinter der Brüderkirche. In der von den beiden Therapeutinnen Grit Eisert und Ulrike Wappler von der Evangelischen Lukas-Stiftung Altenburg geleiteten Gesprächsrunde ging es zunächst um die Frage, welche Erwartungen man mit Alkoholkonsum verbindet. Und welche nicht. Fazit nach einer Stunde lebhafter Diskussion: Alkohol gibt keine Freiheit, sondern schafft Abhängigkeit.
Zum Abschluss der Aktionswoche Alkohol fand dann am Sonntag Morgen ein Gottesdienst zum Thema Freiheit mit Pfarrer Sandro Vogler in der Bartholomäikirche statt. Für den Teamleiter der Suchtberatungsstelle und Koordinator der Veranstaltungen in Altenburg, Florian Engelbrecht, ging damit eine gelungene "Aktionswoche Alkohol 2026" zu Ende: "Wir haben viele Menschen erreicht, sind in sehr gute Gespräche gekommen und konnten Hemmschwellen abbauen. Vom Fachvortrag am Mittwoch über den Film bis zum lockeren Trialog am Donnerstag war für Betroffene wie Interessierte gleichermaßen etwas dabei. Wir haben durchgängig ein positives Feedback erhalten. Das motiviert!" Einen besonderen Dank sprach Engelbrecht im Namen des Landratsamtes, der Evangelischen Lukas-Stiftung Altenburg sowie der Horizonte gGmbH dem Altenburger Lions Club und den Altenburger Rotariern aus, die die Aktionstage durch ihre großzügige Unterstützung möglich gemacht haben.
"Folgen wir dem Titel des Films und schauen auch in Zukunft gemeinsam auf die guten und die besseren Tage", so sein augenzwinkerndes Fazit.
Fotos: grieger agentur für nachhaltige unternehmenskommunikation
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