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Bis zu 300 Jobs gefährdet: SPD-Altenburger Land verlangt Aufklärung von Kelvion | SPD Altenburger Land

SPD Altenburger Land (Foto: Ronny Franke)

Bis zu 300 Jobs gefährdet: SPD-Altenburger Land verlangt Aufklärung von Kelvion

Arbeit & Wirtschaft Politik
03.06.2026, 15:43 Uhr
Von: SPD im Altenburger Land 
Der SPD-Kreisverband Altenburger Land fordert Transparenz und Perspektiven für bis zu 300 Beschäftigte nach der angekündigten Schließung des Kelvion‑Werks Nobitz‑Wilchwitz bis Ende 2026.

Der SPD-Kreisverband Altenburger Land stellt sich an die Seite der Beschäftigten des Kelvion-Standorts in Nobitz‑Wilchwitz und ihrer Familien. Die angekündigte Schließung des Werks bis Ende 2026 bedroht bis zu 300 tarifgebundene Industriearbeitsplätze und ist ein schwerer Schlag für die wirtschaftliche Entwicklung des Altenburger Landes.

„Die Beschäftigten haben über Jahre hinweg ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens geleistet. Viele Familien haben ihr Leben auf diese Arbeitsplätze aufgebaut. Sie verdienen Respekt, Verlässlichkeit und eine realistische Zukunftsperspektive – keine Entscheidung, die Hunderte von Menschen vor existenzielle Fragen stellt“, erklärt Norman Müller, Kreisvorsitzender der SPD im Altenburger Land.

Besonders kritisch bewertet die SPD, dass die Ankündigung für viele Beschäftigte, ihre Familien und die Region überraschend kam. „Wir erwarten von Kelvion vollständige Transparenz über die Gründe dieser Entscheidung. Die Menschen im Altenburger Land haben ein Recht darauf zu erfahren, warum ein innovativer und traditionsreicher Industriestandort aufgegeben werden soll. Wer Verantwortung für Hunderte Arbeitsplätze trägt, darf sich nicht hinter Konzernstrukturen verstecken“, betont Max Bretzmann, stellvertretender Juso-Landesvorsitzender und Kreisvorsitzender der Jusos im Altenburger Land.

Nach Angaben des Unternehmens soll die Produktion künftig am Standort Sarstedt gebündelt werden. Gleichzeitig verweist Kelvion auf erfolgreiche Geschäftsentwicklungen und Investitionen in Zukunftsmärkte. Für die SPD wirft dies erhebliche Fragen auf. „Wenn ein international erfolgreicher Konzern in Zukunftstechnologien investiert, darf das nicht bedeuten, dass ostdeutsche Industriestandorte zur Verfügungsmasse werden. Das Altenburger Land braucht nicht weniger Industrie, sondern mehr innovative industrielle Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze“, so Bretzmann weiter.

Besonders betroffen macht die SPD die menschliche Dimension dieser Entscheidung. Viele Beschäftigte haben bereits die tiefgreifenden Umbrüche nach der Wiedervereinigung erlebt. Für zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet die drohende Schließung nicht den ersten, sondern bereits den zweiten massiven Bruch in ihrer Erwerbsbiografie.

Zugleich weist die SPD darauf hin, dass Kelvion kein Einzelfall ist. Bereits die Schließung der Kunststofftechnik Nobitz (KTN) sowie die Entwicklung bei Neumayer Tekfor haben gezeigt, wie stark unternehmerische Standortentscheidungen die wirtschaftliche Stabilität ganzer Regionen beeinflussen können.

„Jeder Verlust industrieller Arbeitsplätze trifft nicht nur die unmittelbar Betroffenen. Er trifft Handwerksbetriebe, Zulieferer, Dienstleister, Einzelhändler und letztlich die gesamte Infrastruktur unserer Region. Wenn Kaufkraft verloren geht, spüren das auch Bäcker, Supermärkte, Vereine, Gaststätten und kommunale Einrichtungen. Es geht deshalb nicht nur um ein Werk, sondern um die Zukunftsfähigkeit des gesamten Altenburger Landes“, betont Bretzmann.

Die SPD Altenburger Land fordert: die umfassende Prüfung aller Möglichkeiten zum Erhalt des Standorts.

Kommentare

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Herzog, 04.06.2026
Volle Unterstützung! Die Arbeitsplätze in der Region erhalten!
Voigtmar Gutenburg, 03.06.2026
Das ist erst der Anfang vom wirtschaftlichen Abstieg in Deutschland. Wenn selbst traditionsreiche Industriestandorte wie Kelvion in Nobitz schließen, zeigt das, wie ernst die Lage inzwischen ist. Altenburg gehört ohnehin schon zu den strukturschwächsten Regionen – und trotzdem verschwinden weiter gut bezahlte Industriearbeitsplätze.

Viele Menschen pendeln jeden Tag stundenlang nach Leipzig, Chemnitz oder Gera, weil es vor Ort kaum noch ausreichend sichere und gut bezahlte Arbeit gibt. Gleichzeitig finanzieren genau diese Pendler mit ihren Steuern, Abgaben und ihrem Konsum das öffentliche Leben mit. Doch die Wertschöpfung wandert immer weiter aus der Region ab.

Altenburg droht immer mehr zu veröden: Geschäfte schließen, junge Leute ziehen weg, Wohnungen stehen leer und die Innenstädte verlieren an Leben. Irgendwann fragen sich viele Pendler zurecht, warum sie überhaupt noch hier wohnen sollen, wenn Arbeit, Perspektive und Zukunft woanders liegen. Dann bleibt man eben direkt dort, wo man hinpendelt.

Aber vielleicht wird das ja alles durch die Massen an Spielewelt-Touristen kompensiert. Vielleicht retten ein paar Reisebusse und Souvenirverkäufe künftig die Wirtschaft einer ganzen Region, ersetzen hunderte Industriearbeitsplätze und sorgen für sichere Einkommen. Ironie aus.

Besonders bitter ist: Viele Menschen im Altenburger Land haben schon nach der Wende massive Brüche erlebt und stehen nun erneut vor Unsicherheit. Während große Konzerne Gewinne machen und von Zukunftstechnologien reden, werden ostdeutsche Standorte aufgegeben.

Wenn Politik und Wirtschaft nicht endlich gegensteuern, verliert das Altenburger Land nicht nur Arbeitsplätze, sondern langfristig ganze Generationen.
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