Di., 29. September 2026, 18:00 Uhr
Akademieveranstaltungen zum Thema "Krieg und Psyche"
Altenburg, Klinik für Psychiatrie
29.09.2026
18:00 Uhr
Die elektrotherapeutische Behandlung der "Kriegsneurotiker" und "Zitterer" im Ersten Weltkrieg
Dr. Matthias John, Psychologie-Historiker aus Jena
Andachtsraum
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Zeitzer Str. 28
04600 Altenburg
Bereits seit dem 18.Jahrhundert gab es Versuche, Elektrizität im medizinischen Bereich therapeutisch anzuwenden, seit dem späten 19. Jahrhundert mehrere Lehrbücher der Elektrotherapie. Am Ende des ersten Weltkrieges gab es vielerorts Versuche, diese Methoden bei der Behandlung von Kriegszitterern anzuwenden. Von Sigmund Freud stammt die Formulierung, die Psychiater seien hier „die Maschinengewehre hinter der Front“ gewesen, die die Patienten nur zurück in den Krieg haben schicken wollen und für Simulanten hielten. In Wien gab es nach dem ersten Weltkrieg einen Gerichtsprozess anlässlich der unmenschlichen Behandlung, bei dem vieles zu Tage trat. Sigmund Freud trat hier als Gutachter auf, aber auch sein Kommilitone, der spätere Medizinnobelpreisträger Wagner-Jauregg wurde einvernommen. In der Fernsehserie „Babylon Berlin“ wird an diese Verfahrensweise erinnert. In dem Vortrag geht es um die Hintergründe und Details dieser verstörenden Praxis.
Die Ökumenischen Akademie Ostthüringen ist ein Projekt der Thüringer Diakonie, einer katholischen Pfarrei und der Evangelischen Erwachsenenbildung. Im Rahmen des aktuellen Programms werden in wechselnden Orten und Räumen Veranstaltungen angeboten.