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Hitze und Trockenheit belasten Thüringens Landwirtschaft | Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum (Foto: Ronny Franke)

Hitze und Trockenheit belasten Thüringens Landwirtschaft

Politik Arbeit & Wirtschaft
27.08.2026, 17:33 Uhr
Von: THÜRINGER MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, LANDWIRTSCHAFT UND LÄNDLICHEN RAUM
Hitze und Trockenheit haben die Thüringer Ernte 2026 beeinträchtigt. Die Getreidemenge liegt voraussichtlich bei 2,28 Millionen Tonnen, während Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben deutliche Einbußen verzeichnen.

Thüringer Ernte bleibt hinter dem Vorjahr zurück

Die Thüringer Ernte 2026 fällt deutlich schwächer aus als im besonders ertragreichen Vorjahr. Von einer Missernte könne jedoch keine Rede sein, erklärte Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John bei der gemeinsamen Ernte-Pressekonferenz mit dem Thüringer Bauernverband in der Gustav Zitzmann Mühle in Ingersleben.

„Hitze und Trockenheit haben in diesem Sommer deutliche Spuren hinterlassen. Die Ergebnisse unterscheiden sich allerdings erheblich nach Regionen und Kulturen“, sagte Boos-John. Insgesamt sei die Ernte nicht zufriedenstellend, aber auch keine Katastrophe. Beim Getreide liege Thüringen trotz der schwierigen Witterung nur leicht unter dem langjährigen Durchschnitt.

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung werden in Thüringen in diesem Jahr rund 2,28 Millionen Tonnen Getreide geerntet. Das sind etwa 300.000 Tonnen weniger als 2025, aber ungefähr so viel wie 2024.

Auch die Anbaufläche ist zurückgegangen. Sie verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um gut 11.000 Hektar beziehungsweise 3,3 Prozent auf rund 327.600 Hektar. Der durchschnittliche Getreideertrag liegt bei 69,46 Dezitonnen je Hektar. Damit bleibt er neun Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück, liegt aber lediglich 2,2 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025.

Große Unterschiede bei den Getreidearten

Die Erträge unterscheiden sich deutlich nach Getreideart. Vergleichsweise gut schnitten Wintergerste, Sommergerste und Triticale ab. Die Wintergerste erreichte durchschnittlich 81,59 Dezitonnen je Hektar und lag damit 8,6 Prozent über dem langjährigen Mittel. Bei der Sommergerste wurden 58 Dezitonnen je Hektar erzielt, bei Triticale 63,5 Dezitonnen. Beide Werte liegen ebenfalls über dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025.

Der Sommerweizen liegt nach vorläufigen Angaben sowohl über dem Vorjahreswert als auch über dem langjährigen Mittel. Schwächer fielen dagegen Winterweizen, Roggen und Hafer aus. Beim Winterweizen wurden durchschnittlich 69,44 Dezitonnen je Hektar erreicht – 7,3 Prozent weniger als im langjährigen Mittel.

Die Qualitätsanforderungen des Marktes werden beim Getreide nach derzeitiger Einschätzung überwiegend erfüllt. Regional führen jedoch niedrige Hektolitergewichte und ein erhöhter Mutterkornbesatz, also Pilzbefall, zu Einschränkungen und Preisabschlägen bei der Vermarktung.

Deutliche Einbußen bei Raps und Hackfrüchten

Besonders ungünstig fällt die Bilanz beim Winterraps aus. Der Ertrag liegt mit 28,5 Dezitonnen je Hektar rund 18 Prozent unter dem Vorjahreswert und dem langjährigen Mittel. Trotz einer leicht vergrößerten Anbaufläche sinkt die Erntemenge voraussichtlich von rund 340.000 Tonnen im Vorjahr auf etwa 282.000 Tonnen. Damit setzt sich der Negativtrend der vergangenen Jahre fort.

Auch beim Körnermais werden mit voraussichtlich 80 Dezitonnen je Hektar unterdurchschnittliche Erträge erwartet. Bei den Kartoffeln liegt die aktuelle Prognose bei lediglich 250 Dezitonnen je Hektar. Das entspricht rund einem Drittel weniger als im Vorjahr und im langjährigen Durchschnitt. Insgesamt wird mit einer Erntemenge von nur etwa 41.000 Tonnen gerechnet.

Bei den Zuckerrüben werden derzeit 500 bis 600 Dezitonnen je Hektar erwartet. Das langjährige Mittel liegt bei 728 Dezitonnen. Als wesentliche Ursachen für die Ertragseinbußen gelten die hohen Temperaturen und das Niederschlagsdefizit im Juni und Juli.

Futterversorgung bleibt angespannt

Besonders schwierig ist die Situation bei den Futterkulturen, die nicht von der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung erfasst werden. Bei Feldgras, Kleegras sowie auf Wiesen und Weiden hat die Trockenheit den weiteren Aufwuchs zuletzt nahezu zum Erliegen gebracht.

Für Wiesen werden Erträge von lediglich 40 bis 55 Dezitonnen Trockenmasse je Hektar erwartet, auf Weiden sind es voraussichtlich 20 bis 40 Dezitonnen. Insgesamt dürften die Trockenmasseerträge des Grünlands 20 bis 30 Prozent unter dem mehrjährigen Mittel bleiben.

Beim Silomais ist die Lage regional unterschiedlich. Derzeit wird mit einem durchschnittlichen Ertrag von etwa 300 bis 320 Dezitonnen je Hektar gerechnet.

„Für viele tierhaltende Betriebe ist die Futterversorgung derzeit die drängendste Frage“, sagte Boos-John. Die Situation sei angespannt, auch wenn Thüringen bislang nicht mit den teilweise noch stärker betroffenen Regionen im Süden Deutschlands vergleichbar sei. Entscheidend werde sein, ob die Niederschläge anhielten und im September noch einen nutzbaren Aufwuchs ermöglichten.

Regional ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bereits seit mehreren Wochen eine Zufütterung auf den Weiden erforderlich. Hinzu kommen gestiegene Preise für Grobfutter sowie ein zusätzlicher Aufwand für die Versorgung der Tiere mit Tränkwasser.

Wirtschaftliche Lage der Betriebe bleibt schwierig

Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist die wirtschaftliche Situation weiterhin angespannt. Geringere Erntemengen treffen auf teilweise niedrige Erzeugerpreise und weiterhin hohe Produktionskosten.

Signifikante Preissteigerungen bei Getreide und Ölsaaten erwartet das Landwirtschaftsministerium derzeit nicht, da die internationalen Agrarmärkte weiterhin ausreichend versorgt erscheinen. Die geringeren Erträge verschärfen die wirtschaftlichen Probleme vieler Betriebe dennoch. Auch der Thüringer Bauernverband verweist auf erheblichen Preisdruck und teilweise deutlich niedrigere Erzeugerpreise als im Vorjahr.

Das Land ermöglicht deshalb kurzfristig Entlastungen für tierhaltende Betriebe. Auf Flächen, die im Rahmen der KULAP-Maßnahme „Schonstreifen/Schonflächen“ gefördert werden, kann befristet auch eine Beweidung mit Rindern und Pferden sowie eine Mahd zur Futtergewinnung beantragt werden.

Zudem unterstützt der Freistaat die Forderung nach einer Aufstockung der geplanten EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro durch den Bund.

„Kurzfristig müssen wir dort helfen, wo die Futterversorgung und die Liquidität der Betriebe unter Druck geraten“, erklärte Boos-John. Gleichzeitig dürfe sich die Politik nicht darauf beschränken, nach jedem Extremwetterereignis über Nothilfen zu diskutieren.

Ministerin fordert bessere Vorsorge

Nach Ansicht der Landwirtschaftsministerin müssen sich die Betriebe langfristig besser gegen Wetterrisiken wappnen. Dazu gehörten trockenheitsverträglichere Pflanzensorten, angepasste Fruchtfolgen und Bewirtschaftungsverfahren sowie eine bessere Wasservorsorge.

Die Thüringer Talsperren waren im Juli durchschnittlich zu rund 80 Prozent gefüllt. Darüber hinaus gibt es im Freistaat 57 sogenannte herrenlose Wasserspeicher. Deren mögliche Nutzung als Wasserreservoir für die Landwirtschaft sollte nach Auffassung des Ministeriums geprüft werden.

Thüringen setzt sich außerdem für Instrumente ein, mit denen landwirtschaftliche Betriebe eigenständig finanzielle Vorsorge für wetterbedingte Ertragsausfälle treffen können. Bereits im vergangenen Jahr hatte Boos-John eine Initiative für eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage gestartet.

Gustav Zitzmann Mühle steht für regionale Wertschöpfung

Gastgeber der diesjährigen Ernte-Pressekonferenz war die Gustav Zitzmann Mühle Ingersleben GmbH. Das Familienunternehmen wurde 1898 gegründet und wird heute bereits in fünfter und sechster Generation geführt.

Rund 15 Beschäftigte verarbeiten jährlich etwa 18.000 bis 20.000 Tonnen Getreide, vor allem Weizen, Roggen und Dinkel. Die Rohstoffe stammen überwiegend aus einem Umkreis von rund 80 Kilometern. Auch das daraus hergestellte Mehl wird größtenteils in der Region vermarktet.

Damit ist die Mühle insbesondere für das regionale Backhandwerk ein wichtiger Partner. „Die Zitzmann Mühle zeigt beispielhaft, wie regionale Wertschöpfung funktioniert: Getreide aus Thüringen wird hier verarbeitet und kommt über Bäckereien und Handel wieder zu den Menschen in der Region“, sagte Boos-John.

Eine leistungsfähige regionale Landwirtschaft brauche verlässliche Partner in Verarbeitung und Vermarktung – gerade auch in schwierigen Erntejahren.

Ertragsentwicklung im Überblick

FruchtartAnbaufläche 2026*Ertrag 2026*Ø 2020–2025Veränderung zum Mittel
Getreide insgesamt327.628 ha69,46 dt/ha71,0 dt/ha−2,2 %
Weizen insgesamt204.368 ha68,48 dt/ha73,9 dt/ha−7,3 %
Roggen6.087 ha62,77 dt/ha64,8 dt/ha−3,1 %
Wintergerste69.898 ha81,59 dt/ha75,1 dt/ha+8,6 %
Sommergerste32.042 ha58,0 dt/ha56,2 dt/ha+3,2 %
Hafer6.068 ha39,5 dt/ha42,3 dt/ha−6,6 %
Triticale9.087 ha63,5 dt/ha59,6 dt/ha+6,5 %
Winterraps98.868 ha28,5 dt/ha34,6 dt/ha−17,6 %

\* Vorläufige Ergebnisse, Stand 21. August 2026. Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik/Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung 2026.

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