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Roland Krischke blickt auf zehn Jahre am Lindenau-Museum zurück | Dr. Roland Krischke

Dr. Roland Krischke (Foto: Mario Jahn)

Roland Krischke blickt auf zehn Jahre am Lindenau-Museum zurück

Kunst, Kultur & Freizeit
06.11.2026, 15:22 Uhr
Von: Jana Fuchs, Öffentlichkeitsarbeit Landratsamt Altenburger Land
Seit zehn Jahren leitet Dr. Roland Krischke das Lindenau-Museum. Im Interview spricht er über Sanierung, Fördermittel, die Zusammenarbeit mit dem Residenzschloss und die Zukunft der Altenburger Museen.

Altenburg. Das Lindenau-Museum Altenburg begeht in diesem Monat ein Jubiläum: Der Altenburger Künstler Gerhard Altenbourg, einer der bedeutendsten deutschen Grafiker des 20. Jahrhunderts, wäre am 22. November 100 Jahre alt geworden. Auch Dr. Roland Krischke kann in diesen Tagen auf ein Jubiläum zurückblicken. Vor zehn Jahren, am 1. November 2016, übernahm er die Leitung des Lindenau-Museums. Seitdem hat sich nicht nur im Gebäude in der Gabelentzstraße viel getan. Im Interview spricht Roland Krischke über die Meilensteine seiner bisherigen Arbeit und die Zukunft der Altenburger Museen.

Herr Dr. Krischke, was macht der Direktor des Lindenau-Museums eigentlich, wenn sein Museum geschlossen ist?

Roland Krischke: Natürlich war das Museum immer da. Zwar haben wir unser Gebäude in der Gabelentzstraße für die Sanierung geschlossen, doch die Museumsarbeit geht weiter. Dabei gibt es zwei Schwerpunkte: Zum einen sind mein wunderbares Team und ich eng in die Gebäudesanierung eingebunden. Wir arbeiten eng mit dem Bereich Hochbau der Kreisverwaltung zusammen, sind unmittelbar an der Bauplanung beteiligt und intensiv mit der künftigen Ausstellungsgestaltung befasst.

Das Museum war kaum geschlossen, da bezogen wir 2020 schon das Interim in der Kunstgasse 1 im Altenburger City Center. Dort führen wir unsere Kunstschule weiter und zeigen eine Dauerausstellung, während die Sonderausstellungen im Prinzenpalais des Residenzschlosses stattfinden. Auch die Büros der Museumsverwaltung befinden sich in der Kunstgasse. Den Fördermittelgebern – dem Freistaat Thüringen und dem Landkreis – kann man für dieses tolle Interim gar nicht genug danken. Ich bin sehr dankbar dafür. So gesehen habe ich derzeit zwei Museumsstandorte; mit dem Residenzschloss sind es sogar drei, denn seit 2020 bin ich auch Direktor der Altenburger Museen.

Was war eine zunächst unmöglich erscheinende Idee, als Sie in Altenburg die Leitung des Lindenau-Museums übernahmen – und die Sie dann doch umsetzen konnten?

Roland Krischke: Es ist nicht nur in der Kultur wichtig, sich beim Denken keine voreiligen Grenzen zu setzen. Meine Arbeitsmaxime lautet: Man muss groß denken, um etwas zu erreichen. So haben wir es geschafft, die umfassende Sanierung des Hauses auf den Weg zu bringen. Wir werden das Lindenau-Museum um ein Stadtgeschoss erweitern und es als Lernort und Kunstmuseum von Rang weiterentwickeln. Als Museumsteam haben wir immer daran geglaubt. Man muss einen Weg erst einmal aufzeigen, um ihn gehen zu können.

Wenn Sie auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken: Welche Meilensteine waren für Sie und das Museum besonders prägend?

Roland Krischke: Der erste Meilenstein war sicherlich der Masterplan „Der Leuchtturm an der Blauen Flut – Das neue Lindenau-Museum und die Altenburger Trümpfe“, den wir mit viel Herzblut verfasst und im Frühjahr 2017 vorgestellt haben. Diese Konzeption markierte den Beginn der umfassenden baulichen und musealen Neuausrichtung unseres Hauses. Sie kam bei den politischen Entscheidungsträgern so gut an, dass uns im Herbst 2018 schließlich Fördermittel in Höhe von 48 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung des Lindenau-Museums zugesagt wurden – die Hälfte vom Bund, die andere Hälfte vom Freistaat Thüringen. Das war ohne Zweifel der zweite große Meilenstein und schon ein kleines Wunder.

2019 begannen wir mit der Sanierungsplanung. Hinzu kam 2020 eine weitere Bundesförderung von jährlich zwei Millionen Euro bis 2027 im Rahmen des Programms „Lindenau21PLUS“. Dadurch wurde unser Budget verdoppelt. Das brachte uns in eine ideale Situation: Wir konnten die Ausstellungsplanung für das neue Lindenau-Museum vorantreiben und zugleich Projekte in den Bereichen Digitalisierung, Provenienzforschung, Marketing und kulturelle Vermittlung umsetzen. Dafür haben wir auch zahlreiche neue Mitarbeitende eingestellt.

Von dieser Förderung erhielt auch unser Kooperationspartner, das Residenzschloss, finanzielle Mittel. Fast zeitgleich mit der Bundesförderung gründeten wir die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Altenburger Museen, deren Direktor ich ebenfalls sein darf. Rückblickend ist in diesen ersten Jahren sehr viel gelungen.

Welche Vorteile hat die Kommunale Arbeitsgemeinschaft?

Roland Krischke: Das Lindenau-Museum und das Schlossmuseum denken seit 2020 gemeinsam und arbeiten viel enger zusammen. Ich meine, das ist die größte Errungenschaft der vergangenen Jahre. Ausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsangebote werden gemeinsam geplant und aufeinander abgestimmt. Fachwissen und Kontakte können wir gemeinsam nutzen, teilweise auch schon die Infrastruktur. So zeigen wir beispielsweise Ausstellungen des Lindenau-Museums im Prinzenpalais des Residenzschlosses. Das erhöht unsere Reichweite. Zusammen können wir gezielter für Altenburg und das Altenburger Land als Kultur- und Tourismusstandort werben.

Das Lindenau-Museum beherbergt den weltweit größten Werkbestand des Malers und Grafikers Gerhard Altenbourg, der im November 100 Jahre alt geworden wäre. Wie war die Resonanz auf die ihm im Sommer gewidmete Jubiläumsausstellung?

Roland Krischke: Es hat sich gezeigt, dass Gerhard Altenbourg immer ein „Renner“ ist. Die Ausstellung war im Interimsquartier Prinzenpalais zu sehen und bot einen breiten Querschnitt seiner Arbeiten, darunter filigrane Zeichnungen, Druckgrafiken und Skizzen. Auch die Mitmachstationen, an denen Besucherinnen und Besucher selbst kreativ werden konnten, wurden sehr gut angenommen.

Ohnehin haben wir unsere Vermittlungsarbeit in den vergangenen Jahren erheblich gestärkt. Dank der Bundesförderung konnten wir die Zahl der Werkstätten verdoppeln. Inzwischen verzeichnen wir auch bei den Schulen einen noch stärkeren Zuspruch.

Von Gerhard Altenbourg ist bekannt, dass er im Winter gern im Pelzmantel und mit Hut durch Altenburg schlenderte. Wie gehen Sie am liebsten durch die Stadt?

Roland Krischke: Lassen Sie es mich so sagen: Gemeinsam mit meinem Team und vielen Partnern und Mitstreitern habe ich in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 62 Millionen Euro an Fördermitteln eingeworben. Das bedeutet natürlich, dass sich vieles verändert. Veränderungen werden nicht immer und von allen als angenehm empfunden. Deshalb war es für mich als Direktor des Lindenau-Museums nicht immer leicht, durch Altenburg zu schlendern. Ich denke nur an die Diskussion über die Gestaltung des neu zu bauenden Stadtgeschosses, die bundesweit hohe Wellen geschlagen hat. Es gab auch den einen oder anderen Brief, in dem ich persönlich angefeindet wurde. Das Gute an solchen Situationen ist, dass man danach weiß, auf wen man sich verlassen kann.

Um auf Gerhard Altenbourg zurückzukommen: Ich habe ein dickes Fell. Einen Pelzmantel brauche ich daher nicht.

Wo sehen Sie sich und die Altenburger Museen in den kommenden Jahren?

Roland Krischke: Das Budget von 48 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung des Lindenau-Museums wird leider nicht ausreichen, um auch den Herzoglichen Marstall zu sanieren, der in das Gesamtprojekt einbezogen ist. Die stark gestiegenen Baukosten verschlingen die finanziellen Mittel bereits für das Museumsgebäude. Aber ich bin sicher, dass wir für den Marstall eine Lösung finden. Daran arbeiten wir gerade intensiv mit dem Landrat und dem Fachbereich Bildung und Infrastruktur.

Die Altenburger Museen werden an Bedeutung gewinnen. Das Lindenau-Museum und die Museen im Residenzschloss sind nicht nur Orte der Kultur, sondern vor allem Orte der Identität für die Altenburgerinnen und Altenburger und ein Erlebnisfaktor. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, den Optimismus für die Machbarkeit unserer großen Ziele vorzuleben und mit der Zuversicht des ganzen Teams Altenburg und das Altenburger Land zu stärken.

(Interview: Jana Fuchs)

Zur Person:

Dr. Roland Krischke wurde 1967 in Heidelberg geboren. Er ist verheiratet und lebt in Altenburg. Er studierte Romanistik, Slawistik, Philosophie und Germanistik. Nach Stationen an Museen in Heidelberg, Mainz und Gotha übernahm er 2016 die Leitung des Lindenau-Museums Altenburg. Seit 2020 ist er Direktor der Altenburger Museen und seit 2025 Erster Werkleiter des Schloss- und Kulturbetriebs Residenzschloss Altenburg. Seit 2017 ist er Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gerhard Altenbourg. Im September 2023 wurde er zum Präsidenten des Museumsverbandes Thüringen gewählt.

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