Gerhard Altenbourg (1926–1989) war nicht nur ein bedeutender Bild- und Wortschöpfer. Er umgab sich in seinem Haus, das er unter Einbeziehung des Gartens zu einem Gesamtkunstwerk gestaltete, mit Kunstwerken befreundeter und bewunderter Künstler, er sammelte Naturalien und legte sich eine Bibliothek an, die mit den Jahren das Haus überwucherte. Bücher öffneten für Gerhard Altenbourg Tore in Welten, die für den DDR-Bürger nicht zugänglich waren, aber auch in ferne Zeiten und Denkräume, die ihn faszinierten. Den Grundstock der überbordenden Bücherwelt bildete die religiös und humanistisch ausgerichtete Bibliothek des Vaters, des Baptistenpredigers Hugo Ströch. Mit den Jahren wurde die persönliche Büchersammlung Altenbourgs aber immer mehr zum Spiegel der Interessen und Vorlieben des Künstlers, die keine Grenzen zu kennen schienen. Antike Schriftsteller finden sich in Altenbourgs Bücherbeständen ebenso wie mittelalterliche Mystiker, expressionistische Lyrik, bekannte Romane der Weltliteratur, Werke kaum gelesener Literaten, Philosophen aller Epochen, zahllose Kunstbände und immer wieder zeitgenössische Literatur. Seinen Bücherdurst stillte Gerhard Altenbourg im Altenburger Buchhandel, aber auch über Bücherlieferungen seiner Sammler und Freunde im Westen. So stellt sich die Privatbibliothek von Gerhard Altenbourg – trotz des frühen Todes des Künstlers im Jahre 1989 – durchaus nicht als reine DDR-Büchersammlung dar, sondern beinhaltet auch Einzelbände und Werkausgaben westdeutscher Verlage.
Auch wenn Altenbourgs 2013 verstorbene Schwester Anneliese Ströch nach seinem Tod ein externes Bücherlager auflöste und im Haus selbst Platz schaffte, umfasst die Bibliothek heute immer noch mehrere Tausend Bände. Zu den ganz besonderen Schätzen gehören dabei jene Bände, die Gerhard Altenbourg von seinem Buchbinder in Kassetten einfassen ließ, um damit seine Wertschätzung auszudrücken. Hier finden sich beispielsweise frühe Kataloge von Secessionsausstellungen der Jahrhundertwende.
Die Bibliothek Gerhard Altenbourgs bietet einen ganz besonderen Zugang zur persönlichen Welt des Künstlers. Museumsdirektor Dr. Roland Krischke gibt Einblicke in die Sammlung, zeigt besondere Exemplare und stellt sich die Frage, wie die Forschung künftig mit einem solchen Bestand umgehen sollte.
Der Vortrag ist Teil eines umfangreichen Programms anlässlich des Altenbourg-Jubiläumsjahres – am 22. November 2026 wäre der Künstler 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund veranstalten das Lindenau-Museum und die den Nachlass des Künstlers verwaltende Stiftung Gerhard Altenbourg in diesem Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen zu Leben und Werk Gerhard Altenbourgs. Nach der erfolgreichen Jubiläumsausstellung „Der fantastische Gerhard Altenbourg“ bietet auch der Herbst ein Programm, das mit der Festveranstaltung am 21. November 2026, am Vorabend des 100. Geburtstages, seinen Höhepunkt findet.
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